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Porträt Rolf H. Grammel

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Rolf Heinz Grammel wurde am 08. August 1928 in Freudenstadt im Schwarzwald geboren.
Wie bei vielen Altersgenossen wurde seine schulische Ausbildung durch den Einsatz als
Luftwaffenhelfer und im Reichsarbeitsdienst unterbrochen. Noch in den letzten Kriegs-
monaten war Grammel als einer der jüngsten Leutnants bei der Ersten Gebirgsdivision in
Garmisch eingesetzt. Nach kurzer Gefangenschaft besuchte er weiter das Gymnasium und
legte das Abitur an der Keppler-Oberschule in Freudenstadt ab. Nach seiner Praktikantenzeit
im Forstamt Pfalzgrafenweiler nahm er im Sommersemester 1949 das Studium der Forst-
wissenschaften in Freiburg auf.

Nach Referendarzeit und Großer Forstlicher Staatsprüfung
war er als Ausbilder für Holzernte und Arbeitslehre an der Waldarbeiterschule in Hinter-
langenbach tätig. In April 1959 wurde Grammel mit der Leitung der damals neu gegründeten
Abteilung Waldarbeit der Baden- Württembergischen Versuchs- und Forschungsanstalt
betraut. Bis zum Jahre 1974 stand er der Abteilung vor und prägte in dieser Zeit nicht nur
Schwerpunkte und Arbeitsstil dieser praxisorientierten wissenschaftlichen Betriebs-
forschungseinrichtung, sondern gab darüber hinaus auch maßgebliche Impulse im Bereich der Waldarbeit, der Personalplanung, der forstlichen Dienstleistungen und der Holzverwertung und –verwendung. Seine wissenschaftliche Laufbahn setzte Rolf Grammel nach der Promotion zum Dr. rer. nat. im Jahre 1962 durch ein Aufbaustudium an der Hochschule für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in St. Gallen fort. Lehraufträge im Fach Arbeitslehre und Holzernte vor und nach seiner Habilitation in den Fächern Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft im Jahre 1969 waren weitere Stationen und führten im Jahre 1974 zur Berufung als Ordinarius auf den Lehrstuhl für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft der Universität Freiburg in Nachfolge von Prof. Steinlin. Prof. Grammel leitete dieses Institut bis zu seiner Emeritierung im Frühjahr 1995.

Die wissenschaftliche Arbeitsrichtung Grammels zeichnete sich durch die Kombination von Grundsätzlichem mit einer bemerkenswerten Praxisnähe aus. Die Forschungsergebnisse fanden dadurch ganz unmittelbar Eingang in die forst- und holzwirtschaftliche Praxis. Wissenschafts- und Technologietransfer wurde damit, nicht zuletzt im Rahmen der alljährlich stattfindenden Kolloquienreihe Forstbenutzung, von ihm bereits frühzeitig und wirksam betrieben. Ihn beschäftigte zunächst besonders die Frage der zentralen Holzaufarbeitung, die Bedeutung einer konsistenten Personalpolitik im Forstbereich, und die gezielte Entwicklung forstlicher Dienstleistungen. Auch der Einsatz von Forstmaschinen und die damit zusammenhängende Technikfolgenabschätzung waren Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit von Rolf Grammel. In den letzten Jahren haben Grammel zusätzlich und mit wachsender Intensität globale Zusammenhänge der Forstwissenschaft und Forstwirtschaft interessiert. Pflegliche Nutzung natürlicher Tropenwälder, nachhaltige Holzerzeugung in Plantagenforstbetrieben mit hoher Leistungsfähigkeit, der Beitrag einer intensiven Forstwirtschaft zu CO2-Bindung und damit zum Klimaschutz sind nur einige Schwerpunkte dieses erweiterten Interessens- und Wirkungsgebietes.

Grammels wissenschaftliche Arbeit war durch große Neugier und Aufgeschlossenheit für Neues geprägt, gepaart mit der Fähigkeit, ja dem Gespür, langfristige Trends richtig einzuschätzen. Dabei scheute er sich auch nicht, entschlossen solche Positionen zu vertreten, die dem Zeitgeist momentan entgegen zu stehen schienen. Die nationale und internationale Forstwissenschaft verdankt Grammel viel. Davon zeugen nicht nur über 150 wissenschaftliche Veröffentlichungen, darunter drei einschlägige Lehrbücher zu den von ihm vertretenen Fachgebieten. Über 25 von ihm erfolgreich angeleitete Dissertationen, die zum Teil unter schwierigen Bedingungen von ausländischen Stipendiaten verfasst wurden, zeugen von der Arbeitsintensität, aber auch vom Geist der Motivation, den Grammel als Ordinarius und Institutsdirektor auf seine Mitarbeiter/ Innen und Schüler/Innen übertrug.

Sein Engagement im internationalen Bereich wurde mehrfach geehrt: Er wurde zum Honorar -Professor der Universitäten von Harbin (China) und von Santiago del Estero in Argentinien ernannt. Unsere Freiburger Partner- Universität Universida de Federal do Paraná, Curitiba in Brasilien verlieh ihm im Jahre 2000 die Ehrendoktorwürde für sein unablässiges Bemühen um diese Partnerschaft.

Am 06. Mai 2005 verstarb in Freiburg Prof. em. Dr. rer. nat. habil. Dr. h. c. Rolf Heinz Grammel, ehemaliger Direktor des Instituts für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft der Albert -Ludwigs- Universität Freiburg, in seinem 76. Lebensjahr. Er hat zusammen mit seiner im November 2004 verstorbenen Ehefrau Elisabeth Grammel ein gemeinschaftliches Testament hinterlassen, nachdem ein erheblicher Teil des Vermögens in eine Stiftung überführt werden solle, mit der Promotionen junger ausländischer Wissenschaftler gefördert werden. Die Stiftung wurde unter dem Dach des Vereins der Freunde und Förderer der Universität Freiburg eingerichtet. Professor Grammel hat bestimmt, dass die zu fördernden Stipendiaten aus jenen Ländern kommen sollen, zu denen er besondere wissenschaftliche und persönliche Beziehungen unterhalten hat: Brasilien, Argentinien und die Volksrepublik China. Inhaltlich sollen die Promotionsarbeiten ein Thema aus dem breiten Gebiet der Forstbenutzung und Forstlichen Arbeitswissenschaften betreffen und am Institut für Forstbenutzung und Forstliche Arbeitswissenschaft bearbeitet werden. Bislang (2012) haben zwei Stipendiaten der Barbara und Elisabeth Grammel Studienstiftung aus Argentinien und China erfolgreich promoviert. Aktuell werden zwei weitere Stipendiaten aus Brasilien und China gefördert.

 

 

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